Änderung im DAX – Wie berechnet sich der neue Kurs?

Hier liest du…

  • was der Unterschied zwischen einem Kursindex und einem Performanceindex ist
  • wann und warum sich die Zusammensetzung eines Index ändert
  • wie sich eine Indexänderung auf den Indexkurs auswirkt

Ob in den TV-Nachrichten, in der Tageszeitung oder auf den einschlägigen Finanzportalen: Wer sich im Finanz-Ressort umschaut, kommt um den Begriff des Aktienindex nicht herum. Die meisten kennen sicherlich die klassischen Aktienindizes wie den deutschen Leitindex Dax oder auch den Dow Jones aus den USA.

Dass ein Aktienindex einen Korb aus verschiedenen Aktien beschreibt, ist dabei meistens noch bekannt. Vielen ist aber nicht bewusst, dass es verschiedene Arten von Aktienindizes gibt, wie sich die Zusammensetzung der Indizes gestaltet und welche Auswirkungen eine Änderung dieser Zusammensetzung auf den Kurs des betroffenen Index hat.

Im Folgenden wollen wir diese Fragen einmal genauer beleuchten.

Unterschied zwischen Kursindex und Performanceindex

Im Wesentlichen gibt es zwei Arten von Aktienindizes: Den Kursindex (auch Preisindex genannt) und den Performanceindex.

Der Dow Jones Industrial Average (kurz: Dow Jones) aus den USA ist ein klassischer Kursindex. Dieser Indextyp gibt die reine Kursentwicklung der dahinterstehenden Aktien wieder. Er bezieht sich auf eine zuvor festgelegte Basis (zum Beispiel 100 Punkte) und zeigt daraufhin über die Zeit, wie sich die Kurse gegenüber dem Initialwert entwickelt haben. Da der Kursindex die reine Kursentwicklung abbildet, erfolgen keine Bereinigungen bei Dividendenzahlungen oder Kapitalmaßnahmen.

Die in Europa weiter verbreitete Alternative zum Kursindex ist der Performanceindex. Prominentestes Beispiel ist der deutsche Leitindex Dax. Anders als beim Kursindex werden beim Performanceindex Kapitalveränderungen und Ausschüttungen für die Neuberechnung berücksichtigt.

Wann und warum ändert sich die Index-Zusammensetzung?

Die Zusammensetzung eines Index folgt zumeist einem festen Regelwerk. Der Dax bildet die 30 größten und liquidesten deutschen Unternehmen ab, gemessen an der Marktkapitalisierung des Streubesitzes der jeweiligen Aktien. Laut Deutsche Börse werden durch den Dax rund 80% der Marktkapitalisierung deutscher Aktiengesellschaften abgebildet. Größtes Unternehmen im Dax ist nach heutigem Stand die SAP SE.

In jedem Quartal wird die Indexzusammensetzung überprüft und neu bewertet – seit 2016 sogar rein quantitativ und vollautomatisch. Für den Dax müssen dabei die folgenden Mindestkriterien erfüllt sein:

  • Listung im Prime Standard der Deutschen Börse
  • Kontinuierlicher Handel über die XETRA Handelsplattform
  • Minimaler Freefloat von 10%
  • Unternehmenssitz in Deutschland

Die relevanten Unternehmen werden in eine Reihenfolge gebracht, absteigend sortiert nach Marktkapitalisierung des Streubesitzes (Freefloat) und Orderbuch-Volumen (bzw. Handelsvolumen). Die 30 obersten Unternehmen dieser Liste bilden den Dax, können aber durch Indexanpassungen ausgetauscht werden.

Möglich sind dabei der sogenannte Regular Exit und Regular Entry (jährliche Anwendung) sowie der Fast Exit und Fast Entry (quartalsweise Anwendung). Werden im Index geführte Unternehmen vereinfacht gesagt in der Rangliste überholt oder folgen nicht mehr den Kriterien, werden sie im Rahmen der genannten Prüfungsläufe ersetzt.

Auswirkung einer Indexanpassung auf den Indexkurs

Täglich liest man, wie stark der Dax gestiegen oder gefallen ist. Doch wie berechnet sich eigentlich der Dax Kurs und was passiert, mit dem Kurs, wenn sich die Zusammensetzung des Index ändert?

Der Dax wurde 1988 von der Deutschen Börse gestartet – mit einem Startwert von 1000 Punkten – und entwickelte sich seitdem zum Hauptindex für deutsche Blue Chips (Großunternehmen). Der Kurs setzt sich dabei aus den gewichteten Aktienkursen der enthaltenen Unternehmen zusammen. Nicht jedes Unternehmen trägt also gleich stark zum Indexkurs bei. Das Gewicht bestimmt sich über die Marktkapitalisierung des Streubesitzes, also der frei handelbaren Aktien, und nicht dem gesamten Börsenwert der Unternehmen. Damit ein Unternehmen nicht zu stark gewichtet wird, gibt es eine obere Schranke bei 10% – mehr Einfluss darf ein Unternehmen nicht auf den Dax haben.

Grundlage für die Berechnung ist eine Formel, die als Laspeyres’ Formel bezeichnet wird. Diese verarbeitet die Aktienkurse und Aktienanzahl der Unternehmen, die Marktkapitalisierung im Streubesitz, Korrekturfaktoren (z.B. zur Berücksichtigung von Dividenden) und den Basiswert von 1000 Punkten.

Eine Besonderheit bei der Index Berechnung bildet der sogennante indexspezifische Verkettungsfaktor. Durch einen speziellen Verkettungsmechanismus wird verhindert, dass eine Änderung der Zusammensetzung der Daxtitel zu einem Sprung in der Indexkurve führt. Man kann also sagen, dass eine Indexänderung zunächst keinen direkten Einfluss auf den berechneten Indexwert hat. Lediglich die Erwartungen der Marktteilnehmer und ihre Handelsaktivitäten führen bei einer Indexkorrektur zu stärkeren Kursschwankungen im Dax.

Eine ausführliche Erläuterung der Berechnung des Dax Index bietet zum Beispiel die Internetseite Deltamodel.com.

Fazit

Wir haben gesehen, dass es verschiedene Arten von Aktienindizes gibt. Dabei haben wir den Kursindex und den Performanceindex unterschieden.

Der Dax ist ein Performanceindex und umfasst die 30 wichtigsten deutschen Unternehmen. Die Zusammenstzung bestimmt sich gemäß einem festen Kriterienkatalog hautpsächlich durch die Marktkapitalisierung der Aktien im Streubesitz und das zugehörige Handelsvolumen. Eine Korrektur der Zusammensetzung erfolgt in regelmäßigen Abständen.

Für die Berechnung des Dax wird Laspeyres’ Formel herangezogen. Eine Änderung der Indexzusammensetzung hat dabei keinen direkten Einfluss auf die Indexkurve. Mithilfe des indexspezifischen Verkettungsfaktors können Kurssprünge nach einer Indexanpassung verhindert werden.


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