Endlich Zahltag: Über Sinn und Unsinn von Dividenden

Hier liest du…

  • was Dividenden sind und warum Unternehmen Dividenden auszahlen
  • wie Dividendenzahlungen funktionieren und welche Rolle Steuern dabei spielen
  • welche alternativen Möglichkeiten der Ergebnisverwendung ein Unternehmen hat
  • wie deine persönlichen Ziele über Sinn und Unsinn einer Dividendenstrategie entscheiden

Dividenden sind in aller Munde und viele Investoren verfolgen eine sogennante Dividendestrategie. Sie investieren dabei gezielt in solche Unternehmen, die einen besonders hohen Anteil ihres Reingewinns an ihre Aktionäre ausschütten. Diese Ausschüttung wird Dividende genannt. Das Verhältnis zwischen ausgeschüttetem Betrag und Aktienkurs wird als Dividendenrendite bezeichnet. Je höher die Dividendenrendite ausfällt, desto besser ist die Aktie für das eigene Portfolio geeignet – so die Auffassung vieler Investoren.

In diesem Artikel soll beleuchtet werden, wie Dividenden funktionieren, warum sie eingesetzt werden, welche Alternativen zur Dividende es gibt und wie du als Privatinvestor für dich entscheidest, ob eine Dividendenstrategie der richtige Weg zur Erreichung deiner finanziellen Ziele ist.

Dividenden als Gewinnausschüttung

Betrachtet man ein Unternehmen als eigenständiges wirtschaftlich operierendes Konstrukt, so ist eine Dividendenausschüttung eigentlich für das Unternehmen selbst ein ziemlich schlechtes Geschäft. Teile des Gewinns fließen aus dem Unternehmen ab und stehen damit nicht mehr für weitere Investitionen oder zum Begleichen von Verbindlichkeiten zur Verfügung.

Wechselt man allerdings die Sichtweise und berücksichtigt, dass ein Unternehmen bestimmten Eigentümern gehört, die von dessen Erfolg profitieren möchten, so bekommt die Dividendenausschüttung eine ganz neue Bedeutung. Zwar möchte der Aktionär dem weiteren Erfolg des Unternehmens nicht im Wege stehen, gleichzeitig möchte er aber auch für sein Investment belohnt werden.

Warum also sollte man sich im Kreise der Aktionäre dafür entscheiden, eine besonders hohe Dividende auszuschütten?

Warum Unternehmen Dividenden auszahlen

Häufig fehlt es etablierten Unternehmen an weiteren Wachstumsaussichten. Zwar ist das Geschäft profitabel und es wird ein Gewinn erwirtschaftet, dieser kann aber nicht sinnvoll investiert werden, um zukünftige Gewinne mit angemessener Rendite zu steigern. Man darf zudem nicht vergessen, dass nicht jedes Investment eine ertragssteigernde Wirkung hat. Können zum Beispiel zusätzliche Maschinen nicht voll ausgelastet werden und die Kosten dieser Zusatzkapazität nicht gedeckt werden, kann es sogar sein, dass das Investment eine negative Rendite erwirtschaftet.

Aus Sicht der Anteilseigner ist der Verbleib der Gewinne im Unternehmen daher immer dann die schlechtere Wahl, wenn das Unternehmen diese Mittel mit niedrigerer Rendite einsetzen würde, als es der Investor selbst außerhalb des Unternehmens könnte. Zum Beispiel könnte das Geld anderweitig an der Börse investiert werden.

Gleichzeitig ist eine hohe Dividendenrendite ein Lockmittel für neue Investoren und hat eine kursstützende Wirkung. Bei fallendem Aktienkurs steigt die Dividendenrendite und das Unternehmen wird gegenüber alternativen Anlagezielen attraktiver für Investoren. Die Dividendenrendite erzeugt so in der Theorie eine Art natürliche untere Schranke für den Aktienkurs. Dieser Kurs-Stabilisierungseffekt führt häufig dazu, dass Aktien mit hoher Dividendenrendite weniger volatile Kursverläufe zeigen, als hoch-innovative Titel mit hohen Wachstumsaussichten und größerer Unsicherheit bezogen auf zukünftige Gewinne.

Die Mechanik hinter der Dividendenzahlung

Nehmen wir an, du bist Privatinvestor und interessiert an einer bestimmten Aktie, die in der Vergangenheit verlässlich eine jährliche Ausschüttung in Form einer Dividende getätigt hat. Du möchtest zukünftig ebenfalls von dieser Ausschüttung profitieren und entschließt dich daher zum Kauf einer Aktie dieses Unternehmens. Nach dem Kauf wird die Aktie in dein Depot gebucht. Du bist nun stolzer Anteilseigner des Unternehmens.

Zum Ende des Geschäftsjahres analysiert das Unternehmen seine wirtschaftliche Lage, den Erfolg der vergangenen Periode und geplante zukünftige Investitionen. Auf Basis dieser und natürlich vieler weiterer Entscheidungskriterien schlägt der Vorstand eine Dividende vor. Im Rahmen der jährlichen Hauptversammlung können die Aktionäre dann über diesen Vorschlag abstimmen.

Stimmt die Mehrheit zu, ist die Dividende beschlossen und wird in der Regel am dritten Bankarbeitstag nach der Hauptversammlung an alle Aktionäre ausgezahlt, die am Tag der Hauptversammlung Aktien des Unternehmens im Depot geführt haben. Einem Privatinvestor wird also am Tag der Auszahlung je nach Anzahl der gehaltenen Aktien ein Barbetrag auf das Verrechnungskonto übertragen. Je nach Broker wird dieser Betrag unmittelbar um eventuelle Gebühren und gegebenenfalls direkt um Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer reduziert.

Am Tag der Ausschüttung wird die Aktie ex-Dividende gehandelt. Das bedeutet, dass der gegenwärtige Aktienkurs um einen Abschlag in Höhe der Bruttodividende korrigiert wird. Die Bruttodividende entspricht dem Ausschüttungsbetrag vor Abzug der im Unternehmen anfallenden Körperschaftssteuer plus Solidaritätszuschlag. Durch die Ausschüttung fließt Vermögen aus dem Unternehmen ab, daher wird die Marktkapitalisierung des Unternehmens um diesen Betrag bereinigt. Das Unternehmen ist entsprechend “weniger wert”.

Steuern als wichtige Entscheidungsgrundlage

Das Thema Steuern ist vielen Investoren, die eine Dividendenstrategie verfolgen, nicht wirklich präsent. Dabei sind es gerade die Steuern, die häufig über die Sinnhaftigkeit einer Dividendenausschüttung entscheiden. Dieser Artikel stellt natürlich keine Steuerberatung dar – für weitere Informationen sollte immer ein Steuerberater konsultiert werden.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass eine Dividende in Deutschland in der Regel doppelt besteuert wird. Vom Zeitpunkt der Gewinnerwirtschaftung im Unternehmen bis zum Geldeingang auf dem Konto der Aktionäre werden also zweimal Steuern fällig. Grund dafür ist, dass die Dividende immer aus dem versteuerten Gewinn des Unternehmens ausgeschüttet wird. Erst ist Körperschaftssteuer im Unternehmen fällig, mit der Ausschüttung dann zusätzlich die Abgeltungssteuer beim Dividendenempfänger.

Als langfristig denkender Investor sollte daher immer überlegt werden, ob eine Dividende wirklich die gesamtheitlich beste Option zur Verwendung des im Unternehmen erwirtschafteten Kapitals ist. Ist man der Meinung, dass eine Dividende vielleicht nur deshalb ausgeschüttet wird, weil das in der Vergangenheit einfach immer der Fall war und das Unternehmen seinen Status als “Dividendenaristokrat” nicht verlieren will, sollte man seine Entscheidung für ein Investment in das Unternehmen eventuell noch einmal überdenken. Schließlich soll die Dividende langfristig kein Kapital vernichten.

Alternativen zur Gewinnausschüttung

Ist die Gewinnverwendung mit hoher Rendite, man würde sagen mit hohem “Return on Investment” (ROI), innerhalb des Unternehmens nicht gewährleistet, bietet sich als Alternative zur Ausschüttung einer Dividende auch ein sogenannter Aktienrückkauf an. Dabei kauft das Unternehmen an der Börse eigene Anteile zurück und verringert so die Anzahl der Aktien im Umlauf.

Dieses Vorgehen bringt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Positiv für die verbleibenden Investoren ist die Tatsache, dass sich zukünftige Gewinne auf weniger Anteilseigner aufteilen. Man bekommt sozusagen ab sofort ein größeres Stück vom Kuchen ab. Der Rückkauf wirkt sich ebenfalls positiv auf alle Unternehmenskennzahlen aus, die sich auf die Anzahl der Aktien im Umlauf beziehen. Wichtigstes Beispiel hierfür ist der Gewinn je Aktie (englisch: Earnings per Share bzw. EPS). Auch für zukünftige Dividenden bedeutet eine schrumpfende Aktienzahl eine höhere Rendite.

Als größter Nachteil wird in der Regel der oft ungünstige Zeitpunkt des Aktienrückkaufs angeführt. Häufig finden größere Aktienrückkäufe genau dann statt, wenn es dem Unternehmen besonders gut geht und viel Liquidität zur Verfügung steht. Das bedeutet leider aber in den meisten Fällen, dass auch der Aktienkurs gerade besonders hoch steht und daher für jede zurückgekaufte Aktie ein hoher Preis gezahlt werden muss. Besser wäre es, wenn diese Aktienrückkäufe stattfinden würden, wenn der Aktienkurs gerade besonders niedrig steht, am besten sogar unter dem intrinsischen Wert des Unternehmens. Leider geht ein niedriger Kurs oft auch mit einer schlechten wirtschaftlichen Lage des Unternehmens einher. Für den Rückkauf zu niedrigem Kurs fehlt dann einfach das nötige “Kleingeld”.

Fazit

Wir haben gesehen, dass es verschiedene Möglichkeiten der Gewinnverwendung für ein Unternehmen gibt. So können die Gewinne entweder innerhalb des Unternehmens investiert, als Dividende ausgeschüttet oder auch für Aktienrückkäufe genutzt werden. Je nach Situation des Unternehmens sind dabei bestimmte Verwendungsoptionen sinnvoller als andere. Als wichtigste Größe zur Orientierung sollten die jeweiligen Renditen der Investitionsalternativen herangezogen werden.

Kann ein Unternehmen seine Gewinne mit hoher Rendite investieren, ist eine Ausschüttung nicht sinnvoll. Ist das nicht der Fall, kann das Unternehmen über eine Ausschüttung nachdenken. Insbesondere bei niedrigem Kurs ist jedoch häufig ein Aktienrückkauf einer Dividendenausschüttung vorzuziehen, nicht zuletzt da dies steuerliche Vorteile mit sich bringt.

Als Privatinvestor solltest du bei der Aktienwahl immer berücksichtigen, ob die herrschende Dividendenpolitik sowohl für das Unternehmen selbst als auch für dich als Investor wirtschaftlich sinnvoll ist. Eine Aktie nur zu kaufen, weil sie eine besonders hohe Dividendenrendite aufweist, ist zu kurz gedacht und kann eine vollumfängliche Analyse des Unternehmens nicht ersetzen.

Natürlich sind regelmäßige Geldzuflüsse aus Dividenden insbesondere im Alter attraktiv. Es stellt sich aber die Frage, ob sich als jüngerer Investor mit längerem Anlagehorizont die doppelte Besteuerung der Dividenden nicht in den meisten Fällen eher nachteilig auf die Gesamtperformance deiner Anlagen auswirkt. Fehlt das Geld für Investitionen im Unternehmen, kann es sich schwer aus eigener Kraft weiterentwickeln und Gewinne steigern.

Insbesondere, wenn ein Unternehmen durch extrem hohe Ausschüttungsquoten die eigene Liquidität gefährdet, solltest du von einem Investment absehen. Sicher findest du eine Alternative, die deinen Anforderungen als weitsichtiger Investor besser erfüllt.


Wie sollte ein Unternehmen mit Gewinnen umgehen und was ist deine Meinung zur Dividendenstrategie? Hinterlasse gerne einen Kommentar.

2 Gedanken zu „Endlich Zahltag: Über Sinn und Unsinn von Dividenden

  • 27. Juli 2020 um 16:42
    Permalink

    Hi Jan,
    folge dir schon eine Weile auf Twitter und dachte mir jetzt lasse ich auch mal einen Kommentar hier auf deinem Blog. 🙂
    Sehr umfassender und interessanter Beitrag zum Thema Dividenden, den du hier verfasst hast! Wie hast du dir das ganze Wissen hier eigentlich angeeignet? Hauptsächlich über die Bücher, die du auch empfiehlst oder hast du evtl. auch eine Ausbildung im Finanzbereich gemacht?
    Viele Grüße und viel Erfolg dir weiterhin,
    Nils von Brokerverglei.ch

    Antwort
    • 27. Juli 2020 um 18:02
      Permalink

      Hi Nils,
      vielen Dank für deine netten Worte und das positive Feedback zum Artikel.
      Ich versuche immer Themen anzusprechen, die mich persönlich interessieren und in den Beiträgen Fragen zu beantworten, die ich mir auch selbst gestellt habe. 🙂
      Ich habe vor einigen Jahren Wirtschaftsingenieurwesen studiert und daraus einiges zu den Bereichen Mikro- und Makroökonomik, Corporate Finance, Unternehmensführung, Unternehmensbesteuerung etc. mitgenommen. Das meiste lernt man aber wahrscheinlich tatsächlich durch das Lesen von Finanzbüchern. In den letzten Jahren habe ich immer etwa 20-30 Finanzbücher im Jahr gelesen. Bin aktuell auch noch dabei, alle Bücher aus meinem heimischen Bücherregal auch hier auf AktienUni.de einzustellen – da kommt also noch einiges mehr dazu. 🙂
      Ich hoffe, dass auch zukünftige Artikel von Interesse für dich sind und du ab und an nochmal vorbeischaust. Neue Artikel kündige ich natürlich weiterhin auch auf Twitter und Instagram an.
      Viele Grüße
      Jan

      Antwort

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