Kann Gold als alternative Währung funktionieren?

Was dich erwartet:

  1. Was ist Geld und was sind seine Aufgaben?
  2. Gold erfüllt die Geldfunktionen
  3. Gibt es überhaupt genug Gold?
  4. Kann das Goldangebot schnell genug wachsen?
  5. Gold erzielt keine Rendite!
  6. Gold hat schon immer Krisen und Panik ausgelöst!
  7. Gold hat keinen intrinsischen Wert!
  8. Fazit

In Zeiten zunehmender Geldentwertung durch eine expansive Geldpolitik der Zentralbanken, kommt die Frage auf, ob das derzeitige Währungssystem nachhaltig ist und langfristig weiter Bestand haben kann. Als klassische Alternative wird häufig Gold vorgeschlagen. In diesem Artikel versuche ich der Frage nachzugehen, ob sich Gold als alternative Währung bzw. als funktionales Geldmittel eignen kann. Dabei greife ich die prominentesten Argumente auf und stütze mich auf einige Thesen des Ökonomen James Rickards.

1. Was ist Geld und was sind seine Aufgaben?

Um zu bewerten, ob sich Gold als Geldmittel eignen kann, muss zunächst geklärt werden, was Geld überhaupt ist. Nach allgmeiner Definition hat Geld die folgenden vier wesentlichen Funktionen zu erfüllen:

  • Tausch- und Zahlungsmittel (medium of exchange)
  • Wertmesser und Recheneinheit (unit of account)
  • Wertaufbewahrungsmittel (store of value)
  • Wertübertragungsmittel (standard of deferred payment)

Sind diese vier Eigenschaften erfüllt, ist das betrachtete Medium gemeinhin als Geld zu bezeichnen. Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben die verschiedensten Dinge die Rolle von Geld eingenommen. Muscheln, Reis oder Pfeilspitzen sind nur einige Beispiele für die Kreativität der Menschen, verschiedene Gegenstände im Laufe der Zeit als Geldmittel einzusetzen.

2. Gold erfüllt die Geldfunktionen

Gold hat einen anerkannten Wert und kann global verfügbar gemacht werden. Es ist (nahezu) beliebig teilbar, hat einen hohen Wert im Vergleich zu seinem Gewicht, ist fälschungssicher und nur in begrenzter Menge verfügbar. Damit erfüllt ist die Funktion als Tausch- und Zahlungsmittel. Der Wert von Gütern kann in Einheiten von Gold ausgedrückt werden, damit eignet sich Gold auch als Wertmesser- und Recheneinheit. Da Gold nicht verdirbt, zerfällt oder aus sonstigen Gründen nur bedingt haltbar ist, erfüllt es auch die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel. Gold kann zudem transferiert und beispielsweise im Falle von Schenkung, Erbschaft oder Lohn eingesetzt werden. Es ist damit auch ein valides Wertübertragungsmittel.

Obwohl Gold die Funktionen von Geld im Wesentlichen erfüllt, werden dennoch oft einige Gegenargumente angebracht, die wir uns im Folgenden einmal genauer anschauen wollen.

3. Gibt es überhaupt genug Gold?

Als erstes Argument gegen Gold wird häufig genannt, dass es nicht genug Gold geben würde, um das weltweite Finanz- und Wirtschaftssystem zu stützen. Dabei wird aber übersehen, dass es nicht auf die Menge an weltweit verfügbarem Gold ankommt, sondern auf den aggregierten Wert in der Vergleichswährung.

Gehen wir davon aus, dass die enggefasste M1 Geldmenge (Bargeldumlauf plus Sichteinlagen von Nichtbanken) weltweit etwa 25 Billionen USD beträgt (muss nicht genau dieser Wert sein, ist nur eine Näherung). Gleichzeitig nehmen wir an, dass weltweit 35.000 Tonnen Gold im Umlauf sind. Um die M1 Geldmenge in USD zu 40% hinreichend zu decken, würden etwa 10 Billionen USD benötigt werden.

Eine Tonne Gold entspricht 32.150,7 Feinunzen. Eine Feinunze ist aktuell etwa 2.000 USD wert – der Wert der Gesamtgoldmenge beträgt also etwa 2,25 Billionen USD. Leicht erreicht man die zur Deckung benötigten 10 Billionen USD über eine Aufwertung des Goldkurses auf 8.886 USD. Dieser Wert ist nicht so extrem wie man vielleicht vermutet hätte.

4. Kann das Goldangebot schnell genug wachsen?

Als zweites Gegenargument wird genannt, dass die verfügbare Goldmenge nicht schnell genug wachsen kann, um mit dem Weltwirtschaftswachstum mitzuhalten. Jedes Jahr erhöht sich der Goldbestand um etwa 1,6% durch die Fördermengen aus den weltweiten Goldminen. Dem gegenüber steht ein Weltwirtschaftswachstum von etwa 2,9%.

Die naheliegende Lösung wäre, dass die Zentralbanken zusätzliches Gold aus privaten Beständen erwerben. Denn neben den oben genannten rund 35.000 Tonnen Gold gibt es schätzungsweise weitere 150.000 Tonnen Gold in privater Hand. Die Zentralbanken könnten Bargeld drucken, damit Gold über normale Marktoperationen erwerben und so zusätzliche inflationäre Impulse schaffen. Im Prinzip könnte das genauso laufen, wie die bereits heute stattfindenen Anleihenkäufe – nur das Gold erworben wird und keine Staatsanleihen.

Die jährliche Fördermenge der weltweiten Goldminen ist demnach auch nur bedingt ein valides Gegenargument gegen den Einsatz von Gold als zentrales Geldmittel.

5. Gold erzielt keine Rendite!

Gold erzielt aus sich heraus keine Rendite. Das ist ein Fakt und muss nicht diskutiert werden. Allerdings ist die Aussage mehr oder weniger irrelevant, wenn man bedenkt, dass die Alternative (nämlich Bargeld in EUR oder USD) auch keine Rendite vorweisen kann. Und das ist auch richtig, denn Geld hat nicht den Anspruch, eine Rendite zu erwirtschaften.

Zwar kann Bargeld investiert werden (z.B. in Aktien), um so eine Rendite zu erwirtschaften, allerdings ist das dann nicht die Rendite des Geldes, sondern die Rendite der Aktie. Diese hat ganz andere Eigenschaften und Risiken.

6. Gold hat schon immer Krisen und Panik ausgelöst!

Unter dem Goldstandard gab es viele Finanzkrisen an den verschiedensten Finanzzentren der Welt:

  • 1797, 1837, 1857, 1873, 1893, 1907, 1920, 1929

Oft wird als Argument genannt, dass der Goldstandard selbst ursächlich für diese Krisen war. Interessanterweise gab es etwa nahezu genau so viele Paniken und Finanzkrisen in Zeiten, in denen kein Goldstandard existierte:

  • 1973, 1980, 1987, 1994, 1998, 2000, 2008, 2020

Das Argument, dass Gold schuld am Ausbruch dieser Krisen sei, lässt sich so pauschal nicht stützen.

7. Gold hat keinen intrinsischen Wert!

Der Wert einer Sache, die aus sich heraus keine Rendite erwirtschaftet, kann meiner Meinung nach aus drei Faktoren abgeleitet werden:

  1. Wie hoch sind die Kosten der benötigten Inputfaktoren, um die gleiche Menge und Qualität dieses Gegenstandes erneut zu erzeugen (Goldminen, Arbeit, Kapital, Maschinen, Zeit)?
  2. Welchen subjektiven und objektiven Nutzen hat der Gegenstand für das Individuum?
  3. Wie hoch ist das Vertrauen der Gesellschaft in den Wert des Gegenstandes?

Das Fördern von Gold ist mit einem gewissen Einsatz an Inputfaktoren verbunden. Ohne diese Inputfaktoren kann z.B. eine klassische Goldmünze nicht hergestellt werden. Die eingebrachten Kosten und die begrenzte Verfügbarkeit ermöglichen, dass das entstandene Produkt überhaupt einen Wert haben kann. In Punkt 2 haben wir die Geldfunktionen von Gold bestätigt. Diese stützen das seit Jahrhunderten bestehende Vertrauen in den Wert von Gold. Dennoch kann de facto kein fixer intrinsischer Wert von Gold ermittelt werden.

8. Fazit

Am Ende ist es immer das Vertrauen, das über Aufstieg und Fall einer Währung bzw. eines Geldmittels entscheidet. Gold genießt seit Menschengedenken hohes Vertrauen und erfüllt die klassischen Geldfunktionen. Gleichzeitig scheinen auch Bedenken hinsichtlich Angebot und Wachstum der verfügbaren Goldmenge entkräftet werden zu können.

In Zeiten expansiver Geldpolitik und anhaltenden Währungskriegen zwischen den wichtigsten Wirtschaftsnationen (insbesondere USA, China, Russland und Euro-Zone) wird der Ruf nach einer Alternative lauter. Um weiterhin Vertrauen zu genießen, darf diese Alternative nicht manipulierbar sein. Gold scheint diese Kriterien zu erfüllen.

Als weitere Alternative sind in den letzten Jahren immer wieder auch Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, ins Gespräch gekommen. Ob sich vielleicht auch diese langfristig als Alternative eignen können, betrachte ich in einem späteren Artikel.


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