Put-Optionen: Zum Wunschkurs kaufen und sogar dafür bezahlt werden

Hier liest du…

  • wie Put-Optionen in ihren Grundzügen funktionieren
  • wie man Put-Optionen als Value Investor sinnvoll einsetzen kann
  • wie man dafür bezahlt wird, dass man Aktien zu seinem Wunschkurs kaufen darf
  • dass Optionen trotzdem ein risikantes Investment-Vehikel darstellen

Der Handel mit Put-Optionen ist ein spannendes Feld, das von klassischen Value Investoren in der Regel kaum beachtet wird. Dabei gibt es einige Optionsstrategien, die auch für Value Investoren interessant sein können. Vorab möchte ich aber betonen, dass der Handel mit Optionen ein hohes Risiko darstellen kann. Das kann bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals (oder sogar darüber hinaus) führen. Ich würde euch also grundsätzlich erstmal nicht empfehlen, in den Handel mit Optionen einzusteigen. Die folgenden Informationen stellen daher nur erste Informationen auf dem Gebiet dar. Ihr selbst seid verantwortlich für euer Handeln.

Insbesondere, wenn Aktien über einen sehr langen Zeitraum gehalten werden sollen (das klassische Long-Term Investing), kann das folgende Szenario auftreten: Ihr habt ein Unternehmen analysiert, welches aktuell zu einem Kurs von z.B. 50 EUR je Aktie gehandelt wird. Nach gründlicher Analyse habt ihr aber einen Unternehmenswert berechnet, der zu einem fairen Wert je Aktie von 42 EUR führt. Ihr wärt daher bereit, die Aktie zu diesem Preis zu kaufen. Und das selbst wenn das Risiko besteht, dass die Aktie daraufhin weiter im Preis fällt. Als langfristig orientierte Anleger vertraut ihr schließlich darauf, dass sich der Kurs wieder erholen wird. Der aktuelle Preis ist euch jedenfalls zu hoch.

Gleichzeitig kann es auf der anderen Seite Investoren geben, die bereits Aktien dieses Unternehmens halten und die einen fallenden Kurs als Risiko sehen. Sie wären sogar bereit, Geld für die Garantie zu bezahlen, dass sie zu einem vereinbarten Zeitpunkt in der Zukunft einen Mindestbetrag durch den Verkauf ihrer Anteile erlösen können. Und das unabhängig davon, zu welchem Kurs die Aktie derzeit gehandelt wird. Man könnte sagen, sie wären bereit eine Art Versicherung darauf abzuschließen.

Uns als langfristigem Value Investor kommt das sehr entgegen und wir wären in diesem Fall bereit die Gegenposition einzunehmen. Hierzu würdest du Put-Optionen verkaufen (also eine Short Position auf den Put eingehen).

Konkret würde das bedeuten:

  • Der Kurs steht bei 50 EUR und Investor B hält eine Aktie
  • Investor B hat Angst, das seine Aktie fallen könnte. Er möchte daher als “Portfolioversicherung” die Garantie, dass er zum Ende des Jahres seine Aktie für mindestens 42 EUR verkaufen kann. Diese Garantie möchte er unabhängig davon, wo der Kurs zum Ende des Jahres steht.
  • Investor B ist bereit, einen Betrag von 2,50 EUR für diese „Versicherung“ als Prämie zu bezahlen.
  • Wir haben Interesse an der Aktie, aber der aktuelle Kurs von 50 EUR ist uns zu hoch. 42 EUR ist nach unserer Analyse ein fairer Wert. Wir würden uns freuen, die Aktie zum Ende des Jahres zu diesem Preis kaufen zu können.
  • Wir gehen daher ein Geschäft mit Investor B ein und verkaufen ihm eine Put-Option. Diese gibt ihm das Recht (aber nicht die Pflicht) zum Ende der vereinbarten Laufzeit die Aktie für 42 EUR an uns zu verkaufen. Dafür zahlt er uns 2,50 EUR als Prämie. Die 42 EUR sind der sogenannte Ausführungspreis (strike price).
  • Wir haben auf der anderer Seite die Pflicht, die Aktie für 42 EUR von Investor B zu kaufen, wenn Investor B diese zum Ende der Laufzeit an uns verkaufen möchte. Diese 42 EUR zahlen wir unabhängig vom tatsächlichen Kurs der Aktie, der zu diesem Zeitpunkt am Markt gehandelt wird.
  • Mit Ende der Laufzeit verfällt die Put-Optionen

Über dieses Konstrukt erwarten uns also drei mögliche Ausgänge zum Ende der Laufzeit:

  1. Der Kurs der Aktie liegt bei über 42 EUR
    • Die Option wird von Investor B nicht ausgeführt und verfällt.
    • Wir haben die Aktie nicht gekauft, aber 2,50 EUR durch den Verkauf der Option erhalten
  2. Der Kurs der Aktie liegt bei unter 42 EUR
    • Die Option wird von Investor B ausgeführt.
    • Wir kaufen die Aktie für 42 EUR von Investor B (was wir ja ohnehin vorhatten) und haben zusätzlich 2,50 EUR durch den Verkauf der Option erhalten.
  3. Der Kurs der Aktie liegt bei genau 42 EUR
    • Es ist egal, ob Investor B seine Aktie an uns verkauft oder nicht, da der vereinbarte Kurs dem aktuellen Kurs am Markt entspricht.
    • Wie auch immer sich Investor B entscheidet, wir haben trotzdem 2,50 EUR durch den Verkauf der Option erhalten.

Zusammenfassend bezahlt man dich also dafür, dass du eine Aktie zu deinem Wunschkurs kaufen kannst. Aber natürlich wird hier auch schnell ersichtlich, welches Risiko du bei diesem Geschäft trägst. Es kann ja sein, dass zum Ende der Laufzeit der tatsächliche Kurs am Markt niedriger ist, als der vereinbarte Kurs aus dem Optionsgeschäft. Du hättest die Aktie also am Markt günstiger bekommen. Im Extremfall könnte die Aktie selbst zum Ende der Laufzeit wertlos geworden sein (z.B. bei plötzlicher Insolvenz des Unternehmens). Du wärst dennoch in der Abnahmepflicht zu 42 EUR gegenüber Investor B.

Dennoch kann diese Strategie in gewissen Fällen insbesondere für Value Investoren sinnvoll angewendet werden. Ich möchte aber nochmal darauf hinweisen, dass man sich vor dem Handel mit Optionen ausreichend über alle Risiken informieren muss. So sollte in jedem Fall eine Cash-Secured-Put Strategie verfolgt werden. Bei dieser Strategie stellst du sicher, dass du zu jedem Zeitpunkt in deinem Verrechnungskonto über genug Liquidität verfügst, um der Abnahmeverpflichtung nachzukommen.

Es gibt viele weitere Konzepte im Optionshandel, die zu verstehen von unsagbarer Wichtigkeit sind. Das sind zum Beispiel implizite Volatilität, Liquidität, Delta, Theta oder auch der Unterschied zwischen „out of the money“, „at the money“ und „in the money“ Optionen. Wenn euch das Thema interessiert, werde ich in folgenden Artikeln nochmal näher auf weitere dieser Konzepte eingehen.

Hast du eine Frage oder möchtest du mehr über Optionen lernen? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar!

2 Gedanken zu „Put-Optionen: Zum Wunschkurs kaufen und sogar dafür bezahlt werden

  • 17. September 2021 um 12:48
    Permalink

    Als Value Investor interessieren mich Cash-Secured-Puts. Da ich bisher keine Optionen gehandelt habe, fehlen mir Informationen. Wie finde ich passende Produkte und wie läuft der Kauf und Verkauf über meine Depotbank. Z.B. welche Stückelungen werden gehandelt, welche Gebühren fallen an, etc….. Vielen Dank für die Infos

    Antwort
    • 17. September 2021 um 13:32
      Permalink

      Hallo Joshua,

      vielen Dank für deinen Kommentar und dein Interesse am Optionshandel. In den nächsten Tagen werde ich nochmal einen Artikel schreiben, in dem ich mich stärker auf die Praxis beziehe und Schritt für Schritt den Einstieg erkläre. Bis dahin hier schon mal einige Infos vorab.

      Zunächst einmal benötigst du einen Broker, der den Handel mit Optionen ermöglicht (nicht jeder Broker unterstützt Optionshandel). Seit einiger Zeit ist das auch bei deutschen Anbietern möglich. Optionen sollten dabei nicht mit Optionsscheinen verwechselt werden. Letztere werden over-the-counter bei Banken und Wertpapierbörsen gehandelt, sind nicht so stark reglementiert und es besteht ein gewisses Emittentenrisiko (Risiko, dass der Herausgeber seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann).

      Optionen sind Termingeschäfte – deutsche und europäische Optionen werden daher normalerweise an der Terminbörse Eurex gehandelt. Der Broker sollte daher den Handel an dieser Börse unterstützen. Um mit dem Optionshandel starten zu können, benötigst du noch Termingeschäftsfähigkeit, die im Voraus beantragt werden muss. Im Prinzip ist das eine Erklärung, in der du bestätigst, dass du über alle Risiken aufgeklärt bist.

      Alles Weitere, auch was Gebühren etc. betrifft, versuche ich dann im Detail im nächsten Artikel zu beschreiben. Bei weiteren Fragen immer gerne melden.

      Beste Grüße
      Jan

      Antwort

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