Sind Nachrichten gefährlich für Privatanleger?

Hier liest du…

  • welchen Einfluss Nachrichten auf das Anlegerverhalten haben
  • wie die Wirtschaftswissenschaften solche Phänomene erklären
  • wie du als Privatanleger trotzdem erfolgreich bist

In letzter Zeit war es gar nicht so leicht, mit den sich überschlagenden Nachrichten mitzuhalten. Handelskonflikte zwischen USA und China, globale Corona-Pandemie, massive operative Probleme bei großen Konzernen wie Tui oder Lufthansa, Bilanzskandale bei Wirecard: Die Liste der negativen Nachrichten scheint unendlich lang.

Aber ist das alles überhaupt von Bedeutung? In diesem Artikel möchte ich dir meine Gedanken zum starken Anstieg der Handelsfrequenz von Privatinvestoren aufzeigen. Dabei möchte ich verdeutlichen, dass man als Privatanleger oft besser die Füße stillhalten, auf eine langfristige Anlagestrategie vertrauen und sich nicht durch das Nachrichtengewitter aus der Ruhe bringen lassen sollte.

Emotionen treiben die Kurse, zumindest kurzfristig

Du verfolgst regelmäßig die Nachrichten und siehst, wie sich die Börsenkurse in großen Schwüngen auf und ab bewegen. Jeder Hoffnungsschimmer, jede noch so kleine positive Nachricht, führt sofort zu starken Kursanstiegen. Geblendet vom Optimismus steigen unerfahrene Privatinvestoren mit ihrem Ersparten ein, nur um mit der nächsten schlechten Nachricht angstgetrieben wieder alles zu verkaufen.

Nachrichten haben einen massiven Einfluss auf die Entwicklung der Börsenkurse. Ursache hoher Volatilität sind nahezu immer emotionsgesteuerte Kaufs- und Verkaufswellen. Hat Optimismus die Oberhand, steigen die Kurse. Kommt es aber zu Angst und Panik, werden Aktien massenhaft abgestoßen.

Zwar sind auf lange Sicht in der Regel fundamentale Kriterien der Treiber für die Kursentwicklung an der Börse, die Emotionen der Anleger, insbesondere im Fall von negativer Grundstimmung, können aber zu extremen Ausschlägen und damit Abweichungen zwischen Kurs und intrinsischem Wert von Unternehmen führen. Häufig werden dann auch Unternehmen mit in die Tiefe gerissen, die rein objektiv betrachtet keinen oder nur eingen geringen negativen Effekt hätten spüren dürfen. Das wurde nicht zuletzt bei den Covid19 bedingten Kursstürzen im März 2020 bei vielen Tech-Werten deutlich.

Durch die Brille der Wirtschaftswissenschaften

Aus der starken Bedeutung dieses psychologischen und soziologischen Phänomens ist in den letzten Jahrzehnten eine eigene Wissenschaftsdisziplin erwachsen. Der Fachbereich Behavioral Finance, oder auf deutsch Verhaltensökonomie, befasst sich mit der Psychologie der Anleger und ihrer Auswirkung auf die Finanzmärkte.

Während alte Theorien den Marktteilnehmern noch die Eigenschaften des homo oeconomicus, einem allwissenden und rational handelnden Individuum, zugeschrieben haben, kann man heute davon ausgehen, dass Angst, Gier, Neid, Selbstüberschätzung und andere psychologische Faktoren viel eher für kurzfristige Marktbewegungen verantwortlich sind.

Dabei wird insbesondere den täglichen Nachrichten von Privatanlegern eine hohe Wichtigkeit zugeordnet. Solche unbewussten Handlungen werden auch als kognitive Verzerrungen bezeichnet. In diesem Fall spricht man speziell vom Rezenzeffekt als derjenigen Neigung, jüngeren Ereignissen und Informationen eine besonders hohe Relevanz zuzuschreiben.

Sicherlich ließen sich über mathematisch-analytische Verfahren dann auch Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit bestimmter Buzz-Words in den Medien wie “Panik” oder “Stellenabbau” mit der Handelsfrequenz von Privatanlegern an der Börse feststellen. Wer die Ressourcen dafür mitbringt, kann sich das gerne mal näher anschauen.

Wie du als Privatinvestor trotzdem erfolgreich bist

Versuche, dich nicht durch die Flut an Nachrichten verunsichern zu lassen. Tägliche Newsletter und Wirtschaftszeitungen, Sofortbenachrichtungen bei sogenannten Eilmeldungen und das Überprüfen von Aktienkursen im stundentakt sind Gift für deinen langfristigen Anlageerfolg. Natürlich schadet es nicht, auf dem Laufenden zu bleiben und über aktuelle Themen Bescheid zu wissen. Du solltest es aber nicht übertreiben.

Um an der Börse erfolgreich zu sein, solltest du eine solide Strategie entwickeln und dieser Strategie folgen. Wenn du in starke Unternehmen oder breit gestreute ETFs investierst und nicht in den nächsten Jahren auf dein Geld angewiesen bist, machen dir auch schwache Börsenphasen nichts aus und sind vielleicht sogar eine Chance, zu günstigen Kursen neue Aktien oder ETFs nachzukaufen.

Wenn du hingegen immer den Nachrichten hinterher läufst und ständig kaufst und verkaufst, zahlst du zum einen immer wieder Ordergebühren, zum anderen aber unterliegst du dem Irrglauben, immer den richtig Zeitpunkt für die Käufe und Verkäufe finden zu können. Schließlich weiß niemand, ob die Kurse nach deinem Verkauf nicht unmittelbar wieder steigen oder umgekehrt. Als langfristiger Investor solltest du dir solche kurzfristigen Fragen am besten gar nicht erst stellen.

Bau dir also eine breite Basis an Wissen auf, sei geduldig, setze dir feste Ziele und lerne aus deinen Fehlern. So kannst du mit deinem diversifizierten Portfolio zu jeder Börsen-Wetterlage auch als Privatinvestor erfolgreich sein.

Fazit

Die Kurse an der Börse können auf Grund von Nachrichten starken kurzfristigen Schwankungen ausgesetzt sein. Weil diesen Nachrichten eine zu hohe Bedeutung beigemessen wird, können sie gefährlich für Privatanleger sein. Es können Verhaltensmuster aktiviert werden, die dich zu kurzfristigem Handel und panischem Kauf und Verkauf animieren.

Häufig ist es die Angst vor größeren Verlusten, die Anleger bei negativen Nachrichten zum Verkauf ihrer Aktien treibt. Die Verhaltsökonomie erklärt diese psychologischen Phänomene als kognitive Verzerrungen, die unbewusst unser Verhalten steuern.

Als Privatinvestor solltest du dich nicht durch tägliche Nachrichten aus der Ruhe bringen lassen. Ein breit diversifiziertes Portfolio aus starken und liquiden Unternehmen oder ETFs wird auch langfristig erfolgreich sein und bedarf keiner täglichen oder wöchentlichen Beachtung oder gar größeren Umschichtungen – auch nicht wenn der nächste Crash vor der Tür steht.


Wie wichtig sind Nachrichten für dich und welche Strategie verfolgst du, um dich nicht ablenken zu lassen? Hinterlasse gerne einen Kommentar.

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