Warum hat die EZB ein Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent?

Hier liest du…

  • was die Europäische Zentralbank (EZB) genau ist
  • welche Aufgaben die EZB zu erfüllen hat
  • warum hohe Inflation und Deflation gefährlich sind
  • warum die EZB eine Inflation von knapp unter 2% anstrebt

Immer wieder hört und liest man von der Europäischen Zentralbank (kurz EZB). Aber was genau ist die EZB überhaupt, welche Aufgaben hat sie und warum verfolgt sie ein Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent? Was sind überhaupt Inflation und Deflation und warum können sie gefährlich für die Wirtschaft sein.

Antworten auf diese Fragen findest du im folgenden Artikel.

Was ist die Europäische Zentralbank?

Bevor wir uns die Europäische Zentralbank genauer anschauen, sollten wir zunächst einen generellen Blick darauf werfen, was überhaupt eine Zentralbank ist.

Eine Zentralbank ist eine öffentliche Institution, die die Währung eines Landes oder eines Ländervebundes verwaltet und die Geldmenge innerhalb dieses Währungsraumes kontrolliert.

Die Europäische Zentralbank definiert sich dabei selbst als Zentralbank der 19 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die den Euro als gemeinsame einheitliche Währung führen. Sie ist die “zentrale Institution des Eurosystems und des für die Bankenaufsicht zuständigen Einheitlichen Aufsichtsmechanismus” (European Central Bank).

Die Europäische Union hat dabei Rechenschaftspflicht gegenüber den europäischen Bürgern. Sie legt Rechenschaft vor dem Europäischen Parlament ab, zum Beispiel durch die Veröffentlichung eines Jahresberichts.

Welche Aufgaben hat die EZB?

Das Leitbild der EZB umfasst den Auftrag, die Preisstabilität im Währungsraum sicherzustellen. Der Wert des Euro als gemeinsame Währung soll dabei möglichst konstant gehalten werden. Dazu arbeitet die EZB mit den nationalen Zentralbanken zusammen und bildet so das Europäische System der Zentralbanken (ESZB). Das ESZB folgt dem Einheitlichen Aufsichtsmechanismus, einem System zur Aufsicht der Kreditinstitute. Auf transparente Art und Weise soll so die Sicherheit und Solidität des Banken- und Finanzsystems gewährleistet werden.

Die Aufgaben und Ziele der EZB sind im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEU-Vertrag) festgelegt.

Die EZB verfolgt selbst bzw. unterstützt die Europäische Union bei der Erreichung der folgenden Ziele:

  • Gewährleistung der Preisstabilität im Euroraum
  • Nachhaltige Entwicklung Europas auf der Grundlage eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums
  • Eine in hohem Maße wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft
  • Vollbeschäftigung und sozialer Fortschritt

Zur Erreichung dieser Ziele hat die EZB die folgenden Aufgaben:

  • Geldpolitik für den Euroraum festlegen und ausführen
  • Devisengeschäfte durchführen
  • Währungsreserven der Mitgliedsstaaten halten und verwalten
  • Funktionsweise der Zahlungssysteme fördern
  • Ausgabe von Banknoten genehmigen
  • Statistische Daten erheben
  • Internationale und europäische Zusammenarbeit

Welchen Einfluss haben Inflation und Deflation?

Inflation entspricht einer Erhöhung des Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen, also einer Verringerung der Kaufkraft. Wenn man zuvor für einen Euro noch 2 Liter Milch kaufen konnte, könnte beispielsweise eine hohe Inflation dazu führen, dass man für das gleiche Geld nur noch einen Liter Milch erwerben kann.

Das Gegenteil davon ist die Deflation, also eine Verringerung des Preisniveaus bzw. eine Erhöhung der Kaufkraft. Auf den ersten Blick scheint dieses Szenario sehr erstrebenswert, der Teufel steckt aber wie so oft im Detail. Bei genauerer Betrachtung ist Deflation nämlich nicht weniger gefährlich für eine funktionierende Wirtschaft.

Der Preis wird in erster Linie durch Angebot und Nachfrage gesteuert. Im deflationären Szenario übersteigt das Angebot an Gütern und Dienstleistungen die Nachfrage, was den Preis drückt. Der Liter Milch, der zuvor 50 Cent gekostet hat, kostet jetzt vielleicht nur noch 40 Cent. Die Kaufkraft des Euro hat sich erhöht (man bekommt mehr für sein Geld).

Das Überangebot führt aber dazu, dass Unternehmen ihre Produktion reduzieren. Die reduzierte Produktion führt mittelfristig auch zu einem geringeren Bedarf an Arbeitskräften, was zu Entlassungen und damit zu höherer Arbeitslosigkeit führt. Die Arbeitslosigkeit führt zu geringeren Haushaltseinkommen und damit zu weniger Geld, das für Ausgaben eingesetzt werden kann. Die Nachfrage reduziert sich weiter. Es kommt zu einer gefährlichen Abwärtsspirale.

Hinzu kommt, dass bei anhaltender Deflation Geld in der Zukunft mehr wert ist als heute. Die zukünftig höhere Kaufkraft verleitet dazu, Investitionen und Käufe in die Zukunft zu verschieben, weil sie dann real günstiger sind. Das würde die Nachfrage in der Gegenwart weiter reduzieren.

Warum verfolgt die EZB ein Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent?

Das Europäische System der Zentralbanken hat das vorrangige Ziel, die Preisstabilität im Währungsraum zu gewährleisten. Hierzu setzt es gewisse geldpolitische Instrumente ein, um die Inflationsrate auf mittlere Sicht unter, aber nahe 2 Prozent zu halten.

Grund für dieses Ziel sind die oben beschriebenen und für eine funktionierende Wirtschaft gefährlichen Extreme einer zu hohen Inflation oder einer Deflation. Die 2 Prozent sind dabei nicht einfach als obere Schranke anzusehen. Die EZB betont immer wieder, dass ihre Inflationsziele symmetrisch sind und sowohl zu hohe als auch zu niedrige Inflation vermieden werden muss.

Warum nun aber eine leicht positive Inflation und nicht einfach ein Inflationsziel von Null, also eine Stagnation?

Zum einen braucht die EZB einen gewissen Puffer gegenüber den Gefahren der Deflation. Zum anderen fördert eine leicht positive Inflation das Investitionsverhalten der Konsumenten und Unternehmen. Dadurch, dass die Kaufkraft bei leichter Inflation Stück für Stück sinkt, bekommt man heute mehr für sein Geld als morgen. Eine Investition wird also immer teurer und es besteht ein Anreiz, Investitionen eher früher als später zu tätigen. Dadurch steigt die Nachfrage in der Gegenwart.

Häufig werden Investitionen auch durch Kredite unterstützt. Für größere kapitalintensive Projekte leiht sich ein Unternehmen Geld bei einer Bank und zahlt es über die Zeit mit einem gewissen Zins zurück. Der Vorteil der langsamen Geldentwertung für das Unternehmen ist es jetzt, dass ebenso wie Barmittel natürlich auch die Schulden inflationsbedingt weniger wert sind. Durch die Kaufkrafterhöhung wird es immer leichter, den Kredit zurückzuzahlen.

Dieses Phänomen ist ein weiterer Anreiz für Investitionen in der Gegenwart. Die höhere Nachfrage führt zu höherer Produktion, höherem Bedarf an Arbeitskräften, niedrigerer Arbeitslosigkeit, höheren Haushaltseinkommen und damit zu mehr Geld, das für Konsumausgaben eingesetzt werden kann und so die Wirtschaft weiter stützt.

Fazit

Die Europäische Zentralbank verfolgt eine Reihe an Zielen zur Unterstützung einer funktionierenden Wirtschaft im Euroraum. Vorrangiges Ziel dabei ist die Gewährleistung von Preisstabilität. Hierzu hat sich die EZB ein Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent gesetzt.

Grund für dieses Ziel sind die Gefahren einer zu hohen Inflation oder einer Deflation. Während Deflation zu einer gefährlichen Abwärtsspirale der Nachfrage durch Kaufkraftverlust führen kann, ist eine zu hohe Geldentwertung durch Inflation ebenso wenig erstrebenswert.

Eine leichte Inflation allerdings ist für die Wirtschaft von Vorteil, da sie Anreize für Investitionen und Konsumausgaben schafft.


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