Wie wird eigentlich der Preis einer Aktie an der Börse ermittelt?

Hier liest du…

  • wie die Börse als Marktplatz für Wertpapiere funktioniert
  • was die Aufgabe des Orderbuchs ist
  • wie der Preis eines Wertpapieres ermittelt wird
  • welchen Einfluss die Auftragsart hat
  • welche Sonderfälle es gibt

Täglich sieht man wie die Aktienkurse steigen und fallen. Doch wie wird der Aktienkurs überhaupt ermittelt? Häufig ist die erste Annahme, dass der Aktienkurs vom Unternehmen festgelegt wird oder sich zumindest unmittelbar aus dem Unternehmenserfolg ableiten lässt. Diese Annahme ist allerdings nicht richtig!

Tatsächlich folgt die Preisbildung einem einfachen Prinzip und damit dem Grundkonzept der freien Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage.

Im folgenden Artikel gehe ich genauer darauf ein, wie aus den Kauf- und Verkaufangeboten der Marktteilnehmer ein Preis ermittelt wird, welche Rolle verschiedene Orderarten dabei spielen und was passiert, wenn sich Käufer und Verkäufer nicht einigen können.

1. Die Börse als Marktplatz

Die Börse ist im wesentlichen ein Marktplatz für Wertpapiere. Sie bietet Käufern und Verkäufern die Möglichkeit, Wertpapiere auf regulierte Weise anzubieten bzw. zu erwerben. Die Börse selbst übernimmt dabei eine Vermittlungsfunktion. Sie führt Käufer und Verkäufer zusammen und wickelt die Transaktion ab.

Potentielle Käufer und Verkäufer reichen ihre Kauf- und Verkaufangebote mit der gewünschten Menge (Volumen) ein und versehen diese mit einem Limit je Anteil. Dieses Limit gibt auf der Käuferseite an, wie viel der Interessent maximal für einen Anteil zu zahlen bereit ist. Auf der Verkäuferseite drückt es entsprechend aus, ab welchem Minimalpreis der Interessent einem Verkauf zustimmen würde.

2. Das Orderbuch

Für jedes Wertpapier führt die Börse ein sogenanntes Orderbuch. In diesem Orderbuch werden alle ausstehenden Kauf- und Verkaufangebote des jeweiligen Wertpapieres gesammelt und einander gegenüber gestellt. Dieser Vorgang erfolgt heutzutage üblicherweise automatisch auf elektronischem Weg über die Computersysteme der Börse. An der Börse Frankfurt übernimmt diese Aufgabe das Handelssystem XETRA.

Das Orderbuch folgt einem einfachen Aufbau und teilt sich auf in einen linken und in einen rechten Teil. Auf der linken Seite werde alle Kaufangebote mit Volumen und Limit gesammelt und zwar absteigend nach Limit sortiert. Diese Seite wird auch Geld oder Bid genannt.

Auf der rechten Seite finden sich dem gegenübergestellt die Verkaufangebote, ebenfalls mit Volumen und Limit, hier aber aufsteigend nach Limit sortiert. Diese Seite wird auch Brief oder Ask genannt. Durch die Sortierung ergibt sich auch zugleich eine Priorisierung. Je weiter oben ein Eintrag steht, desto höher ist seine Priorität. Geht ein Auftrag zu einem Limit ein, das bereits auf der selben Seite im Orderbuch vorliegt, wird der neue Auftrag mit geringerer Priorität im Orderbuch hinterlegt und sozusagen hinten angestellt.

Aufträge können auch zeitlich befristet eingestellt werden. In diesem Fall werden sie nach Ablauf der Frist automatisch aus dem Orderbuch gelöscht, sollten sie bis dahin nicht ausgeführt worden sein.

Kaufangebote (Geld/Bid) Verkaufangebote (Brief/Ask)
Volumen (Stück) Limit (EUR) Volumen (Stück) Limit (EUR)

100

400

25

670

300

20

32,30

32,00

31,90

31,65

31,05

30,30

50

70

800

300

30

75

32,50

32,80

33,10

33,50

34,15

34,50

3. Grundlagen der Preisbildung

Schauen wir uns das obige Beispiel einmal genauer an. Zunächst fällt auf, dass der Maximalpreis auf der Käuferseite immer noch kleiner ist als der Minimalpreis auf der Verkäuferseite. Es gibt also keinen Match und es kommt zu keiner Orderausführung.

Was passiert jetzt aber, wenn ein neues Kaufangebot zu 50 Stück mit Limit 32,50 EUR eingeht?

Das Kaufangebot wird in das Orderbuch geschrieben und es gibt einen Match mit dem obersten Verkaufangebot. Die Order wird daher zum Kurs von 32,50 EUR ausgeführt und die beiden Einträge aus dem Orderbuch entfernt.

Kaufangebote (Geld/Bid) Verkaufangebote (Brief/Ask)
Volumen (Stück) Limit (EUR) Volumen (Stück) Limit (EUR)

50

100

400

25

670

300

20

32,50

32,30

32,00

31,90

31,65

31,05

30,30

50

70

800

300

30

75

 

32,50

32,80

33,10

33,50

34,15

34,50

 

Der Ausführungskurs von 32,50 EUR ist nun der aktuelle Kurs, der in den einschlägigen Finanzportalen angezeigt wird. In der Regel wird dort allerdings nicht ein einziger Wert angezeigt, sondern zwei verschiedene: ein Geld- und ein Briefkurs. Häufig gibt es nämlich zwischen Kauf- und Verkaufkurs noch eine kleine Spanne, den sogenannten Spread, den die Börse für sich als Gebühr einstreicht. Der Einfachheit halber wollen wir uns aber weiterhin die Preisbildung ohne Spread anschauen.

4. Sonderfälle der Preisbildung: Abweichendes Volumen

Schön und gut, wirst du jetzt denken. Die Kauf- und Verkaufangebote lagen im Beispiel natürlich auch zufällig in der gleichen Stückzahl und zum gleichen Limitpreis vor. Was passiert jetzt aber, wenn die Stückzahl nicht zusammenpasst oder eine Verkauforder eingeht, die ein höheres Limit hat als der minimale Verkaufkurs. Oder wenn alternativ eine Verkauforder eingeht, die ein niedrigeres Limit hat als die höchste Kauforder?

Schauen wir uns dazu nochmal unser aktualisiertes Orderbuch an. Neu hinzu kommt jetzt eine Verkauforder mit einem Limit von 32,30 EUR und einem Volumen von 200 Stück.

Preislich gibt es einen Match mit der obersten Kauforder, allerdings passen die Stückzahlen nicht zusammen. Der Verkäufer bietet mehr an als der Käufer kaufen möchte.

Jetzt kommt es darauf an, ob der Verkäufer mit seiner Order eine Teilausführung akzeptiert (bzw. der Käufer falls die Stückzahl auf der Käuferseite höher ist). Ist dies der Fall, wird ein Teil seiner Order ausgeführt – nämlich genau der Teil, für den es Kaufinteresse gibt. Die restlichen 100 Stück verbleiben unausgeführt im Orderbuch.

Kaufangebote (Geld/Bid) Verkaufangebote (Brief/Ask)
Volumen (Stück) Limit (EUR) Volumen (Stück) Limit (EUR)

100

400

25

670

300

20

32,30

32,00

31,90

31,65

31,05

30,30

100 + 100

70

800

300

30

75

32,30

32,80

33,10

33,50

34,15

34,50

5. Sonderfälle der Preisbildung: Abweichender Preis

Der zweite Sonderfall tritt ein, wenn das Limitangebot der Verkäuferseite das maximale Kaufangebot unterschreitet oder alternativ ein Kaufangebot eingeht, dass höher ist als das minimale Verkaufangebot.

Wir schauen uns wieder das aktualisierte Orderbuch an und registrieren eine neue Kauforder über 100 Stück zu einem Limitpreis von 34 EUR.

Jetzt greift ein weiteres Prinzip namens Preis-Zeit-Priorität. Das besagt zum einen, dass bei Aufträgen mit gleichem Preis immer die ältesten die höchste Priorität haben. Zum anderen wird so gesteuert, dass nach Möglichkeit immer zu einem Kurs ausgeführt wird, der möglichst nah am zuletzt festgestellten Kurs liegt.

Für den Käufer bedeutet das, dass seine Order zum niedrigsten verfügbaren Verkaufkurs ausgeführt wird, selbst wenn sie mit einem höheren Verkaufangebot matchen würde. In unserem Beispiel wird die 34,00 EUR Limit Order des Käufers daher gegen die 32,30 EUR Verkauforder über 100 Stück ausgeführt – und zwar zum Kurs von 32,30 EUR.

Genauso würde es laufen, wenn das Limitangebot der Verkäuferseite das maximale Kaufangebot unterschreitet. Die Ausführung würde dann zum Limitkurs der Käuferseite ausgeführt.

Kaufangebote (Geld/Bid) Verkaufangebote (Brief/Ask)
Volumen (Stück) Limit (EUR) Volumen (Stück) Limit (EUR)

100

400

25

670

300

20

34,00–>32,30

32,00

31,90

31,65

31,05

30,30

100

70

800

300

30

75

32,30

32,80

33,10

33,50

34,15

34,50

6. Sonderfälle der Preisbildung: Market Order

Neben den Limit Orders kann ein Marktteilnehmer auch eine sogenannte Market Order eingeben. Bei vielen Online-Broker ist diese inzwischen sogar der Standard. Wie wir gleich sehen werden, ist diese Auftragsart aber nicht immer bedenkenlos zu empfehlen..

Wir schauen uns das aktualisierte Orderbuch an und nehmen eine Market Kauforder über 70 Stück entgegen. Diese Market Order wird ohne Limitpreis eingestellt und sofort ausgeführt. Voraussetzung dafür ist, dass es Verkaufangebote in entsprechender Stückzahl gibt und ggf. natürlich auch, ob Teilausführungen erlaubt sind.

Die tatsächliche Ausführung erfolgt dann im Börsenfachjargon billigst bzw. bestens. Im Beispiel wird die Market Kauforder über 70 Stück gegen die oberste Verkauforder ausgeführt – billigst zum Kurs von 32,80 EUR. Eine Market Order auf der Verkäuferseite würde entsprechend bestens gegen die oberste Kauforder ausgeführt werden.

Kaufangebote (Geld/Bid) Verkaufangebote (Brief/Ask)
Volumen (Stück) Limit (EUR) Volumen (Stück) Limit (EUR)

70

400

25

670

300

20

Market –> 32,80

32,00

31,90

31,65

31,05

30,30

70

800

300

30

75

 

32,80

33,10

33,50

34,15

34,50

 

7. Fazit

Wir haben gesehen, dass sich der Kurs immer aus Angebot und Nachfrage ergibt. Mit jeder Orderausführung bzw. mit jedem Geschäftsabschluss wird so ein neuer Kurs festgestellt. Aufträge, die nicht sofort ausgeführt werden können, werden im Orderbuch gesammelt und warten dort auf ihre Ausführung. Tatsächlich ist also der aktuelle Kurs eines Wertpapiers viel mehr der letzte vergangene Ausführungskurs. Es gibt keine Garantie, dass eine neu eingestellte Order auch zu diesem Preis ausgeführt wird.

Kauf- und Verkaufaufträge müssen zudem nicht zwangsläufig genau übereinstimmen, denn es kann auch zu Teilausführungen kommen. Voraussetzung dafür ist, dass die Marktteilnehmer diese für ihre jeweilige Order erlaubt haben. Grundsätzlich folgen die Ausführungen immer dem Prinzip der Preis-Zeit-Priorität. Älteste Aufträge werden priorisiert, ebenso die Kauforders mit höchstem Limit sowie die Verkauforders mit niedrigstem Limit (gemäß Sortierung im Orderbuch).

Gleichzeitig sind wir auch auf die Schwäche der Market Order gestoßen. Zwar hat sie den Vorteil der schnellstmöglichen Ausführung, problematisch kann diese aber bei sehr illiquiden Wertpapieren sein. Hier kommt es häufig vor, dass das Orderbuch nur spärlich gefüllt ist und es kaum Handelsinteresse und wartende Aufträge gibt. Wird hier z.B. eine Market Kauforder eingereicht kann es passieren, dass diese gegen ein sehr unattraktives Verkaufangebot ausgeführt wird. Ich würde daher selbst bei liquideren Titeln immer zur Limitorder greifen.


Hast du eine Frage oder möchtest du mehr über die Preismechanik an der Börse wissen? Hinterlasse gerne einen Kommentar.

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